Die Glems ändert für kurze Zeit ihren Lauf

Für den Rückbau der Sohlabstürze fließt sie nun durch ein "temporäres Umgehungsgerinne"

(nie) Zwischen Münchingen und Hemmingen bei der Sägmühle fließt die Glems in einem engen Bogen durch das Tal. Über vier Rampen, sogenannte "Sohlabstürze", strömt das Wasser rauschend hinweg. Vor der ersten Rampe staut sich die Glems jedoch so an, dass man beinahe meinen könnte, sie sei ein stehendes Gewässer. Hier sammelt sich viel Schlamm auf dem Grund, während das Wasser bei seinem Weg über die Rampen Erde und Steine mit sich reißt und die Bäume am Ufer unterspült. Für die Lebewesen im Fluss sind diese Sohlabstürze mit ihrer starken Strömung ein unüberwindbares Hindernis.

Dies soll nun anders werden: Die Baumaßnahme für den Rückbau der Sohlabstürze ist in vollem Gange. Das interkommunale Naturschutzprojekt von Korntal-Münchingen und Hemmingen soll "raue Rampen" entstehen lassen, die die Durchgängigkeit des Flussbettes für Gewässerlebewesen wieder möglich machen. Beide Kommunen sind Teilnehmer im sogenannten "Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben Glems" (E&E - Programm) und erhalten einen Zuschuss von 50 % zu den reinen Baukosten von ca. 50.000 €.

Während der Bauarbeiten fließt die Glems durch ein "temporäres Umgehungsgerinne", ein künstliches Flußbett. Nur so können die Rampen zurückgebaut und die Böschungen zum Hochwasserschutz ingenieur-biologisch befestigt werden.

Vor kurzem wurde das künstliche Flußbett ausgehoben...
Vor kurzem wurde das künstliche Flußbett ausgehoben...

... hier nimmt die Glems bereits ihre "Abkürzung"...
... hier nimmt die Glems bereits ihre "Abkürzung"...

... und mündet schließlich wieder in ihr eigentliches Flußbett ein.
... und mündet schließlich wieder in ihr eigentliches Flußbett ein.

Der jetzige Zustand entstand übrigens in den 70er Jahren. Nachdem der Mühlkanal außer Betrieb genommen und wieder zugeschüttet wurde, fügte man Sohlabstürze ein, um das vorhandene Gefälle zu überwinden.
Heute weiß man jedoch, dass diese Rampen einen Rückstau erzeugen und damit aus gewässer-ökologischer Sicht von Nachteil sind. Nachdem in den vergangenen Jahren der Schadstoffeintrag durch den Bau von Kläranlagen verringert wurde, soll nun auch die Selbstreinigungskraft und die Gewässerstruktur verbessert werden, damit die vormals stark verschmutzte Glems wieder eine hohe Gewässergüte erreicht.

Wenn das Wetter sonnig bleibt, und die nächsten Wochen keinen starken Regen oder gar Hochwasser mit sich bringen, kann die Glems voraussichtlich bereits Ende März in ihr altes Bett zurückkehren.